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PAA
Baden 15.01.2009
Grusswort
von Francis Schneider, Senator Pro Argovia, Basel
Sehr
verehrte Anwesende
10
Jahre Pro Argovia Artists!
Willst
du nur die Musik hören, die auf einer CD eingespielt
werden?
Willst du nur die Texte lesen, die in grosser Auflage erscheinen?
Willst du nur die Filme, Tanzproduktionen und Theaterstücke
sehen, die ins offizielle Kinoprogramm oder auf die grossen
Bühnen kommen?
Reicht dir das?
Die
PAA sind eine Plattform für Kunst, die im Werden, im
Entstehen, in Bewegung ist.
Für
die Auseinandersetzung mit Kunst möchte ich hier kurz
drei Prinzipien formulieren:
1.
Das Prinzip Werden:
Das Entscheidende geschieht – wie überall, so auch
in der Kunst – an den Rändern. Die Kunst erneuert
sich an denjenigen Orten, wo sie ausfranst. Dort geschehen
die ausschlaggebenden Impulse. Dort, wo die Kunst im Prozess
ist, wo sie sich reibt, wo sie herausfordert, wo sie eben
im Werden, im Entstehen ist.
Wer erneuert z.B. den Zirkus? Das Festival von Monte Carlo,
oder Truppen wie der Cirque du Soleil (in seinen Anfängen
zumindest … ) oder wie Karl’s kühne Gassenschau?
Ein wunderschöner Satz von Nietzsche lautet: «Alles
Fertige wird angestaunt, alles Werdende wird unterschätzt.»
2.
Das Prinzip Glücks- und Zufall:
Was wird Bestand haben, und was wird wieder verschwinden?
Oder wie Spinoza gesagt hat: Was bleibt ‚sub specie
aeternitatis’ – unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit?
Da kommt das Prinzip Glücks- und Zufall ins Spiel: Da
sind Kräfte am Werk, die über uns hinausgehen.
Wüssten wir von Bach ohne Mendelssohn, der die Matthäus-Passion
entdeckt und ausgegraben hat?
Wüssten wir von Beethoven ohne Liszt, der jahrelang vor
leeren Sälen Beethoven-Sonaten gespielt hat, einfach
damit sie nicht in Vergessenheit geraten?
Wüssten wir von Van Gogh ohne seinen Bruder Théo?
3.
Das Prinzip Erkenntnisgewinn:
Ich sage immer – zugegeben etwas überspitzt: Kunst,
die mich nicht verändert, interessiert mich nicht. Was
meine ich damit: Kunst muss nicht zwingend eine Botschaft
haben und sie hat eigentlich auch keine Aufgabe, sie muss
mich weder erfreuen noch niederschmettern. Wenn sie das tut,
ist das ihre Sache – aber sie ist nicht deswegen Kunst.
Aber sie muss einen – wenn auch minimalen – Erkenntnisgewinn
aufweisen. Dazu gibt es ein wunderbares Zitat eines Zen-Meisters:
„Worauf kommt es denn an? Beim Ausüben jeder Kunst
geht es letzten Endes nicht um das, was dabei herauskommt,
sondern um das, was dabei herein kommt! Herein, d. h., in
den Menschen herein. Die äussere Leistung dient über
sie hinaus dem Werden des Inneren Menschen.“
10
Jahre Pro Argovia Artists!
Ihr seid auf dem richtigen Weg. Das ist man zwar nie auf immer
– die nächste Weggabelung kommt bestimmt, und schon
muss man wieder Entscheide fällen.
Aber man sieht, dass ihr in den vergangenen 10 Jahren das
Bewusstsein geschärft habt und euch damit das ‚Werkzeug’
erschaffen habt, eure Meinung bilden und entsprechende Entscheide
fällen zu können. Und sich eine eigene Meinung zu
bilden, ist heute eine grosse Leistung. Es gelingt nur noch
wenigen, zwischen galoppierender Beliebigkeit (‚Alles
ist Kunst’) und einem hightechdesignten und hochsicherheitstraktartig
zelebrierten Kunstbetrieb eine eigene Richtung zu vertreten.
Ihr von Pro Argovia Artists schafft das.
Und dazu gratuliere ich euch.
Ich gratuliere dem Kanton Aargau zur Kulturstiftung Pro Argovia,
Ich gratuliere der Pro Argovia zu ihrer Initiative Pro Argovia
Artists,
Ich gratuliere der Arbeitsgruppe PAA sehr herzlich zum 10jährigen
Jubiläum.
Danke.
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